Die Augen des HERRN durchlaufen die ganze Erde, um denen treu beizustehen, deren Herz ungeteilt auf ihn gerichtet ist. (2.Chronik 16,9)
Augen, die über die Erde laufen, die Erde durchstreifen und durchschweifen, alle Lande schauen, alles sehen, nichts übersehen, alles durchschauen: Wer diesen bildhaften Ausdruck nicht aus der Heiligen Schrift kennt, muss wohl an die Tech-Konzerne denken, die unsere Daten sammeln und nie wieder vergessen, die wissen, welche Musik und welche Videos uns interessieren, wer unsere „Freunde“ sind und vor allem: was wir gern einkaufen. Deren „Augen“ schlafen nie. Sie kennen sozusagen unser Herz, sie wissen, worauf unser Herz gerichtet ist. Sie betrachten jeden Einzelnen von uns als Mittel zum Gewinn. Sie hassen uns nicht, aber sie lieben uns auch nicht. Manchmal ist es mir unheimlich, von Maschinen so gekannt zu sein.
Die Augen des HERRN schauen auf Böse und auf Gute (Sprüche 15,3), also auch auf alle Menschen; auch auf die wenigen, die noch kein Internet benutzen. Kein Geschöpf ist vor ihm unsichtbar, sondern alles bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben (Hebräer 4,13). Er kennt unsere Gedanken von Ferne (Psalm 139,2), ja sogar im Voraus (Psalm 139,4).
Die Augen des HERRN laufen, das heißt: Der HERR sucht. Er sucht, nicht weil er vergessen hätte, wo jemand ist. Er sucht, damit wir antworten. Wie im Garten Eden: Adam, wo bist du? Er sucht, das heißt, er wünscht sich: Menschen, deren Herz ungeteilt auf ihn gerichtet ist. – In der Geschichte, in der dieser Vers steht, hat ein König versucht, sich und sein Volk durch einen unlauteren Trick zu retten; nach dem Motto: Der Zweck heiligt die Mittel. Der Prophet Hanani kommt zu ihm mit der Botschaft: Du hättest dich auf den HERRN verlassen sollen, dein Herz ungeteilt auf ihn richten sollen, dann hätte er dir treu beigestanden.
Der HERR sucht Glauben und Vertrauen; nicht als jemand, der uns ausnutzen will, auch nicht als Prüfer und Richter, sondern als der, der uns helfen will. Und Hilfe brauchen wir, brauche ich jeden Tag. Das Auge des HERRN ruht auf denen, die ihn fürchten, die auf seine Gnade harren (Psalm 33,18). Es ruht auf ihnen: Er blickt sie freundlich an.
– Darum mutig in den neuen Monat, mutig gemeinsam in das angebrochene Jahr! In der Verkündigung, im Abendmahl, im gemeinsamen Gebet wird unser Herz auf ihn gerichtet. Er sieht uns, er will uns treu beistehen.
Hanno Garthe
