„Wir halten diese Wahrheit für ausgemacht, dass alle Menschen gleich erschaffen worden sind.“ Mit diesem Paukenschlag beginnt die Präambel der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, proklamiert am 4. Juli vor 250 Jahren. „All men are created equal.“
Alle Menschen sind erschaffen, jeder Mensch ist ein Geschöpf Gottes. Ich stimme zu! „Du bildetest mich im Leib meiner Mutter“, betet David (Psalm 139). Kein Mensch geht über die Erde, den Gott nicht gewollt hat und liebt. Das bedeutet Verantwortung vor dem Schöpfer, das bedeutet Würde, das bedeutet Respekt vor dem Mitmenschen. –
Alle Menschen sind gleich erschaffen. Ja, nämlich im Bilde Gottes. Inwiefern sonst noch gleich? Der Text der Unabhängigkeitserklärung führt es so aus: „Dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt worden sind, worunter sind Leben, Freiheit und das Bestreben nach Glückseligkeit.“ Das Leben eines Menschen ist heilig, es darf nicht einfach für vermeintlich höhere Zwecke geopfert werden. Frei muss ein Mensch sein – man darf ihn nicht kaufen oder besitzen, er muss im Rahmen der Gesetze selbst über sein Handeln entscheiden dürfen. Und wie er nach dem Glück strebt, ist seine Sache.
Wenn alle so leben könnten! Aber frag mal die amerikanischen Ureinwohner, frag mal die aus Afrika importierten Sklaven, ob man ihnen den Satz „All men are created equal“ glaubhaft vermitteln konnte.
Die schönen Worte der Präambel kamen und kommen bis heute in der Wirklichkeit vieler Menschen nicht an. Ungerechtigkeit! Ja, woran lag es, woran liegt es, natürlich nicht nur in Amerika, sondern ebenso auf allen anderen Kontinenten, dass zwischen Anspruch und Realität eine schmerzliche Lücke klafft? An politischen und ökonomischen Gründen? Ja, aber das ist nur die Oberfläche; im tieferen Grunde wohl daran, dass wir Menschen noch in einer anderen Hinsicht alle gleich sind: „Alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit, die sie vor Gott haben sollten.“ Paulus lässt keinen Zweifel daran, dass das Wort „alle“ keine einzige Ausnahme zulässt (anders als das Wort „alle“ in der Unabhängigkeitserklärung).
Das Leben, die Freiheit, das Glück beginnen aber für alle diejenigen Menschen, die realisieren, dass sie „ohne Verdienst gerechtfertigt werden durch Gottes Gnade aufgrund der Erlösung, die in Christus Jesus ist, den Gott zum Sühnopfer bestimmt hat durch den Glauben an sein Blut“ (Römer 3); egal wo und in welcher Lage sie sich befinden. Ohne Christus bleibt die Tatsache, dass wir zwar alle gleich von Gott geschaffen, aber auch alle gleichermaßen Sünder sind, ein deprimierender Umstand.
Mit Christus steht allen alles offen: Leben, das sich wirklich lohnt, Freiheit, Gott und den Nächsten zu lieben, Glück, das bleibt! Wer diese Dinge genießt, gönnt sie auch dem Mitmenschen, fördert ihn, wo er kann, grenzt keinen aus. – „All men are created equal.“
Hanno Garthe
