„Da sprach er zu ihm: Was ist dein Name? Und er sprach: Jakob.“ – 1. Mose 32,28
Mit List und Tücke hatte sich Jakob das Erstgeburtsrecht erschlichen. Er betrog seinen erblindeten Vater Isaak, als dieser ihn fragte: „Wer bist du, mein Sohn?“ Jakob antwortete ohne Zögern: „Ich bin Esau.“ (1. Mose 27,18). Von dem Augenblick an, als der Betrug ans Licht kam, war Jakobs Leben von der Flucht geprägt. Sein Bruder Esau sann auf Rache und wollte ihn töten. Jahre später befand sich Jakob in einer scheinbar ausweglosen Lage: Die Begegnung mit seinem Bruder Esau stand unmittelbar bevor. Am Fluss Jabbok verbrachte er die Nacht allein – und erlebte eine entscheidende Begegnung mit Gott. Bisher hatte Jakob immer nur für sich selbst, mit eigenen Mitteln und zu seinem eigenen Vorteil gekämpft. Doch in dieser Nacht rang er mit Gott – mit demjenigen, der unendlich stärker war als er selbst. In diesem ungleichen Kampf stellte Gott ihm die eine, zentrale Frage: „Was ist dein Name?“ Jakobs Antwort lautete schlicht: „Jakob.“
Das war die Wende in seinem Leben. Diesmal gab es keine Vortäuschung falscher Tatsachen, kein Taktieren, keine Intrigen und keine Selbstrechtfertigung. Es zählte nur die reine Wahrheit: Ich bin Jakob – der Betrüger, der Täuscher, der Listige. Das bin ich in Wahrheit. Erst als Jakob diese Wahrheit aussprach und sich zu seiner Schuld bekannte, schenkte Gott ihm einen neuen Namen: Israel. Das bedeutet „Gotteskämpfer“ und steht für einen grundlegend erneuerten Charakter. Indem Jakob seine eigene Niederlage eingestand, errang er den größten Sieg seines Lebens. Seine rein menschliche Durchsetzungskraft war zerbrochen. Von diesem Tag an erinnerte ihn sein Hinken treu an diese Nacht – denn Gott hatte seine Hüfte angerührt. Seine körperliche Schwachheit wurde zum Zeichen dafür, dass Gott ihn fortan mit geistlicher Kraft und neuem Segen bekleidete.
Wo unser eigenes Taktieren und Täuschen endet und wir ehrlich vor Gott stehen, schenkt er uns eine neue Identität – getragen von seiner Kraft und seinem Segen.
Eckhard Lüling
